Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
Weihnachten und der Jahreswechsel stehen bevor, und das gibt auch Anlass auf etwas Rückschau.
Von der so oft versprochenen Ruhe für die hessischen Schulen war in der Vergangenheit viel die Rede
und so manches Eigenlob im politischen Bereich sprach und spricht davon. Nur - davon sind wir weit
entfernt! Nach quälend langer Wartzeit wurden im Eiltempo Schulgesetz und Lehrerbildungsgesetz
geändert, zugleich mit (noch nicht allen) erforderlichen Erlassen. Das alles prasselt jetzt auf die
Schulen zur Umsetzung nieder.
Schlimmer noch - durch einen unverständlichen Zick-Zack-Kurs wurde die hessische Schulverwaltung
bis ins Mark verunsichert, um dann wieder Entwarnung zu vernehmen. Ein Gleiches widerfuhr der
staunenden Öffentlichkeit, als zunächst Referendarsstellen massiv gekürzt werden sollten, dann aber
diese Kürzung nach entsprechenden Protesten auch des VBE umgehend zurückgenommen wurde.
Jetzt wird - unter steter Verkleinerung der Ressourcen das Projekt Selbständige Schule forciert,
Schulversuche wie zum Beispiel die Erlangung des mittleren Abschlusses an den Gymnasien - sicher
von immenser Wichtigkeit - und das Große Schulbudget kommen dazu.
Das hat alles mit Verlässlichkeit und ruhiger Hand wenig zu tun.
Umgekehrt warten wir auch immer noch auf die Verordnung zur Sonderpädagogischen Förderung. Die
gibt zwar das Gesetz seit Anfang August zunächst generell an die allgemeinbildenden Schulen, aber die
entsprechende - wichtige - Ausführungsverordnung fehlt. Ohnehin beschleicht einen das Grauen, wenn
man angesichts der Praktiken im laufenden Gemeinsamen Unterricht sich vorzustellen wagt, wie das
dann im inklusiven Unterricht aussehen wird. Von einer entsprechenden Versorgung der Schulen mit
Lehrkräften, insonderheit auch mit Förderschullehrkräften, kann und wird weit und breit keine Rede
sein.
So manchmal sehnt man sich doch an die Zeiten zurück, als die kleinere Regierungspartei in der
Opposition war: Da hatte sie ein offenes Ohr für die Wünsche und Sorgen der Schulen und der
Lehrerinnen und Lehrer. Jetzt dümpelt sie in Umfragen bei 4 %, die zwar wie alle Umfragen mit Vorsicht
zu genießen sind, aber dennoch klar machen dass es mit der Zufriedenheit auch der Lehrkräfte nicht so
weit her sein kann.
Ein Ärgernis bleibt auch der Umgang mit dem Personal.
Nach wie vor wir haben die anachronistisch hohe Lehrverpflichtung der Lehrerinnen und Lehrer trotz
besserer Regelungen im Tarifbereich. Auch bei der in diesen Tagen überwiesenen Besoldungserhöhung
hat man uns Beamtinnen und Beamten trotz anderslautender Versprechungen schlechter gestellt als
das Tarifpersonal. Mir ist schleierhaft wie man das mit Gerechtigkeit, Fürsorge und Wertschätzung
unter einen Hut bringen kann.
Alle Lehrer sind Lehrer - in allen Schulformen, eben mit nicht gleichartiger, aber gleichwertiger Arbeit.
Und so warten wir auch weiter auf die funktionslosen Beförderungsämter in allen Schulformen, die uns
der Koalitionsvertrag in Aussicht gestellt hat.
Und - geht es Ihnen auch so wie mir? Alle Jahre wieder nimmt man sich vor, den vorweihnachtlichen
Stress in der Schule zu vermeiden - und dann holt einem ohne eigenes Verschulden dieser in der
Schule doch ein.
Ihnen allen, Schul- und Kultusverwaltung eingeschlossen, wünsche ich deshalb eine ruhige und
friedvolle Weihnachtszeit. Gönnen Sie sich eine Auszeit vom Tagesgeschäft und nehmen Sie sich Zeit
für die wichtigen Dinge außerhalb des Berufes. Das neue Jahr kommt schnell genug und nimmt uns
wieder mit den Alltagssorgen in Beschlag. Auch einen guten Übergang in dieses neue Jahr wünscht
Ihnen
Ihr
Helmut Deckert
(VBE-Landesvorsitzender)